Der Schlagbaum geht hoch, die Motoren röhren auf, die Hand am Gasgriff zuckt - „Start frei“ zur Fahrt in die „Grüne Hölle“. Der alte Nürburgring-Kurs erwartet uns - 20 Kilomter durch Wald und Wiesen, über Kuppen und enge Kurven. Gerade recht für unsere BOOM Trikes „Streetfighter“, die auf dem anspruchsvollen Kurs ihre „Straßenkämpfer“-Qualitäten voll ausspielen können. Das Abenteuer Rennstrecke kann beginnen....
Doch eigentlich hatte das Abenteuer unter Kastanien begonnen: „Einmal auf ne richtige Rennstrecke mit einem Trike - das wär ne Show“ - 600 Kilometer entfernt, in einem Ulmer Biergarten spukte uns der Nürburgring im Kopf herum. Der hat auch für alle Hobby-Fahrer geöffnet. Also auch für unsere drei Trikes. Aber: Langsame Annäherung an den Renn-Mythos war angesagt - von den Moselschleifen zur Nordschleife,lautete die Devise.
Samstag Mittag, 13 Uhr, Wolken
Schnell über die A 7 Richtung Karlsruhe bekanntes Gebiet hinter uns lassend, fahren wir in Landau von der Autobahn ab und treffen aufs erste schöne Trike-Gebiet: Den Pfälzer Wald. Die grobe Richtung (Kaiserslautern) anpeilen und ab von den üblichen Touri-Strecken durch die reizvolle Landschaft düsen - Triken in seiner entspannenden Art. Abends kreisen unsere Gespräche um den Ring und seine Mythen. Am Montag werden wir ein Stück davon sein.
Sonntag Früh, 9 Uhr, Sonne
Wieder ein Stück Autobahn, dann bei Mehring über spektakuläre Serpentinen hinab ins Moseltal - Einschwingen auf die schönste Art. Auf der B 53 geht‘s immer an der mäandernden Mosel entlang, auf einer schönen, breiten Bundesstraße, mitten durch die Weinberge. Locker nach rechts und links schauend, gleiten wir dahin, überholen Lastkähne auf der Mosel, winken den Spaziergängern zu – Triker-Herz, was willst du mehr. Vielleicht noch einen kleinen Abstecher in die Weinberge: Dicht an den Weinreben entlang schlängeln sich die Straßen in die Weindörfer auf der Höhe. Die Straße kann durchaus mal enden - dann geht‘s den romantischen Weg eben wieder zurück.
Natürlich kann man die Mosel auch auf einer Brücke überqueren, mehr Spaß macht jedoch eine Überfahrt mit einer motorlosen Fähre. Ein Stahlseil an beiden Uferseiten und die Strömung der Mosel genügen der Fähre, um Fußgänger,Radler, Motorräder, Autos und unsere Trikes auf die andere Uferseite zu bringen. Sollte die Fähre am anderen Ufer liegen - Hupen genügt und sie kommt sofort.So hätte die Mosel-Tour problemlos entspannt weitergehen können - wenn wir vor lauter Übermut und Freude nicht vergessen hätten zu tanken. Wer denkt schon bei einem absterbenden Motor sofort an fehlenden Sprit? Zum Glück gibt‘s eine Parkbucht zum Ausrollen - „gaaaanz toll - und was nun?“ Aber es gibt ja die freundlichen Mosel-Anwohner: Mit einem
leeren Kanister fahren wir zur nächsten Tankstelle und stehen kurz danach vor dem Problem, ohne Trichter Benzin in den Tankstutzen zu bekommen. Doch es zeigt sich - der „Moselaner“ ist pfiffig. Schnell von einer 1,5 Liter Plastikflasche den Boden abgeschnitten und schon fließt der Sprit in den Tank.
In Cochem verlassen wir die Mosel und nähern uns dem Ring über die B 257. Der wunderschöne Abend lässt uns nochmals ruhig über die kleinen Nebenstraßen der Südeifel fahren. Es ist fast nichts los - die Trikes blubbern gemächlich in die untergehende Sonne hinein.
Montag Morgen, 9 Uhr, Sonne
Heute gilt‘s. Irgenwie ist es zu spüren, dass es heute auf den Nürburgring geht. Über Nebenstraßen zum Ring, und schon stehen wir in der Boxengasse und wissen gar nicht so recht, wie uns geschieht: Rennautos schießen vorbei, Test-Motoren heulen auf. „Hier soll jeder fahren dürfen? No way! Ohne uns!“ Kleine Verwechslung: Es ist der neue Ring, die „richtige“ Rennstrecke. Die alte Strecke dagegen beginnt beim Parkplatz des Restaurants „Grüne Hölle“. Hier sind wir richtig. Doch von wegen am Montag ist wenig los: Vor allem Biker, Porsche-, Lotus- und BMW-Fahrer warten auf den Start. Bereits auf dem Weg zum Kassenautomaten ist die „Renn-Athmosphäre“ zu spüren. Überall stehen die Fahrer, vom „Gib-alles-Typ“ bis zum Fahrtouristen mit Wohnmobil, es wird erzählt und gefachsimpelt . Schnell Tickets gekauft, kurz das Streckenprofil auf der großen Karte am Start gecheckt und ran an die Strecke. Der Schlagbaum geht hoch, die Motoren röhren, die Hand am Gasgriff zuckt - das Abenteuer beginnt....
Aber erst mal ganz vorsichtig - zu Recht: „Hey, wusste gar nicht, wie schön breit so eine Rennstrecke ist und überhaupt kein Gegenverkehr - Super! Ups - Motorrad von hinten. Also, wenn was kommt dann von hinten, logisch.“ Wenn man aber auf den Vorder- und Hintermann aufpasst, macht die 20 Kilometer-Runde bergauf, bergab, durch Wald und Wiesen richtig Spaß. Wenn nicht alles so schnell gehen würde, würde man beim ersten Mal sicherlich an vielen der Hinweistafeln der Strecke „Fuchsröhre, Adenauer Forst oder Karussell, “ vor Ehrfurcht erstarren - der Mythos „Nordschleife“ lebt.Mit Power kontrolliert ins Brünnchen, zum Pflanzgarten und in den berüchtigten Schwalbenschwanz - der „Streetfighter“ fährt problemlos durch die noch so engste Kurve. Kein Wunder, dass eingefleischte Triker behaupten, ihr Gefährt nähme es in der Kurve mit jedem Motorrad auf...
Bei Kilometer 17 lernt man die Rennfahrer verstehen, die auf dieser fast vier Kilometer langen Geraden bei Tempo 240 verschnaufen - auch der „Streetfighter“ beschleunigt locker und hält mit Tempo 200 gut mit.
Geschwindigkeitsschilder bremsen rechtzeitig herunter und nach knapp fünfzehn Minuten steht man wieder am Parkplatz, abseits der Nordschleife. Spätestens jetzt denkt man über ein Jahresticket nach, die Faszination der Rennstrecke packt jeden.Die will aber kontrolliert sein - denn die „Nordschleife“ trägt ihren Namen, die „Grüne Hölle“ zu Recht: Niki Lauda verunglückte hier schwer, danach fanden keine Formel 1 Rennen mehr statt. Viele Hobby-Fahrer überschätzen sich und unterschätzen die öffentliche Renn-Strecke: Die Durchsage „Die Rennstrecke ist momentan gesperrt“ kommt zu oft und lässt immer Böses ahnen. Unfälle gibt es - wer jedoch die Kurs-Regeln beachtet, wird viel Spaß haben - und den richtigen Schuss Adrenalin verspüren.
Auch beim Zuschauen: An vielen Stellen ist die Strecke von außen zugänglich und bietet freie Sicht - auf Motorrad-Fahrer in extremster Schräglage, auf powernde Porsche-Fahrer, auf Familien-Väter, die ihren Van quälen - Rennfahrer-Feeling aus zweiter Hand. Wer näher dran sein will am Geschehen, der kann eines der Renn-Taxis mieten - im atemberaubenden Tempo geht die wilde Jagd mit professionellen Fahrern über den Kurs.
Hat man den dann verlassen, tut man gut daran, die Heimfahrt geruhsamer anzugehen: Viele Hobby-Rennfahrer verwechseln nämlich die normale Straße mit der Nordschleife, Unfälle sind daher keine Seltenheit. Kein Problem für unsere Trikes - auf der Autobahn schnurren unsere „Straßenkämpfer“ gemütlich gen Süden.